Statements

Unser Umgang mit der Natur, mit den natürlichen Ressourcen ist ein Thema,
das mich immer beschäftigt hat: die Zerstörung, die die Zivilisation an der Natur verübt.
Darüber hinaus habe ich schon seit meiner Jugend einen starken Zugang zum
Naturbildhaften in der Musik, den ich auch in meiner Dissertation über Klangkomposition
verfolgt habe. Viele Elemente, die für mein Komponieren charakteristisch sind,
habe ich aus solchen klangkompositorischen Erfahrungen weiterentwickelt.
(Interview mit Daniel Ender, ÖMZ 10/2009, S.50)

 

… wie sich gerade durch Anstöße aus den Naturwissenschaften ein auch
geistesgeschichtlich wichtiges, neues, zeitgemäßes Naturbild entwickelt hat
und weiter entwickelt, in dem die Computertechnik nicht mehr als Feind,
sondern als Hilfsmittel eines verständnisvolleren und – wenn man so will –
auch liebevolleren Blickes auf Prozesse unseres Lebens und unserer Umwelt
verstanden werden kann.

 

 …schon lange ein Schwerpunkt meiner Arbeit: mit Computersimulationen von
komplexen Dynamischen Systemen zu arbeiten. Solche Systeme haben für mich immer den Reiz,
dass sie mich da hinbringen, wohin ich selbst nicht gekommen wäre.
Andererseits gibt es natürlich einen Moment von Freiheit:
Punkte, wo ich das System wiederum aushebeln kann. Aber auch Entwicklungen
zu respektieren, die mir im Moment nicht ganz plausibel sind.
Ich versuche grundsätzlich im System zu bleiben und darin eine Verbindlichkeit zu sehen.

 

 Das Kostbar-Mikroskopische, scheinbar so zerbrechliche,
und dann doch seltsam Widerständige, stabil Geformte, wie wir es
seit Haeckels „Kunstformen der Natur“ kennen, – all dies findet sich
in meiner Musik von den Mikroglissandi des Violinsolo-Stückes Zitternd (1988)
über die „Mikrologe“ und „Mikroben“ meiner ausnotierten und interaktiven Werke
bis zu den live-elektronisch produzierten Mikrointervallen und Verschiebungen,
die ich neuerdings auch auf ganze harmonische Komplexe anwende.
Mit Mikro-„Tonalität“ hat das eigentlich nichts zu tun, ich meide vielmehr sogar deren
immer wieder vorherrschenden Systematisierungszwang – ich optiere für die komplexen,
wilden, das ganz unermessliche Reich der Tonzwischenräume
ausschöpfenden Zahlenräume moderner Computersimulationen
– unter der Voraussetzung, dass man das alles auch hören können muss !

 

 Es geht um Musterbildungen, um morphogenetische Prozesse, um die Frage:
wie formt sich etwas aus den eigenen Relationen heraus,
wie reagiert diese interne Struktur auf Störungen von aussen,
welche Prozessdynamik entsteht daraus, und
wie kann dies auch noch in einen ästhetisch anspruchsvollen Klangverlauf
umgesetzt werden ? Und wo bin da ich ?

 

Relationen, – Beziehungen also – , sind alles: mehr gibt’s nicht,
und mehr haben wir nicht.
Deshalb spreche ich bei den Simulationsprogrammen,
die meinen Arbeiten großteils zugrunde liegen,
auch gerne von Relationen-Kernen, die in der Dynamik
ihres interaktiven Zusammenwirkens die prozesshafteAusformung des individuellen Werkes  als Modell
diverser lebenswirklicher Bezüge erscheinen lassen

Dem spüre ich nach.

 

Mannichfache Wege gehen die Menschen.
Wer sie verfolgt und vergleicht,
wird wunderliche Figuren entstehen sehn;
Figuren, die zu jener großen Chiffernschrift zu gehören scheinen,
die man überall,
auf Flügeln,
Eierschalen,
in Wolken,
im Schnee,
in Krystallen und in Steinbildungen,
auf gefrierenden Wassern,
im Innern und Äußern der Gebirge,
der Pflanzen,
der Thiere,
der Menschen,
in den Lichtern des Himmels,
auf berührten und gestrichenen Scheiben von Pech und Glas,
in den Feilspänen um den Magnet her,
und sonderbaren Conjuncturen des Zufalls,
erblickt.
(Novalis: Die Lehrlinge zu Sais)

 

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