Stimmen

 Gerhard Winkler ist einer der angesehensten Komponisten seiner – also auch meiner – Generation. Ich schätze seine Wandlungsfähigkeit. Immer wieder stellt er das Erreichte in die schöpferische Frage – und belässt es nicht dabei, sondern riskiert immer wieder erneut Antworten, die man so nicht erwartet hätte. Dieser schöpferischen Beweglichkeit antwortet fundiertes technisches Wissen: so erhalten Winklers Werke eine gelegentlich frappierende Konsistenz: alles ist in Bewegung und ist trotzdem „begründet“. Nur wenigen gelingt dieses Ineinander und In-Eins von spielerischer Imagination und unbestechlicher Faktur. Sicher liegt in dieser Begabung einer der Gründe für Winklers Ansehen und Erfolg. […]
Eine Persönlichkeit, deren künstlerischer Rang für mich außer Frage steht: einer der besten seines Faches.
Wolfgang Rihm, 17.01.2008

 […] The most intriguing feature of this trilogy is perhaps the notion and realization of the dynamic, self-organizing work. Instead of positing and configuring musical material to a point where it becomes determined and, in a way, finite, Mr. Winkler creates a set of potentialities and probabilities from which a vastly different work grows every time a performance takes place. […]
With Mr. Winkler´s work, a new chapter is opened in the discussion of open form in composition.
Oliver Schneller, Computer Music Journal (Volume 25, Nr. 1, Spring 2001)

 Von „Mantra“ (Stockhausen, 1970) bis „Emergent“ (Winkler, 1993), – alleine in den vergangenen 35 Jahren sind im Experimentalstudio Freiburg zahlreiche Zeugen eines heute schon unverlierbaren Repertoires zeitgenössischer Musik entstanden.
Neue Technologie – Komponist und Musik, Südwestfunk 1993

 Salzburger Festspiele 2003:

 In den „Passagen“ … fanden sich auch einige bemerkenswerte Uraufführungen:
Gerhard E. Winklers „Twins´n´Towers“ für E-Violine, Ud, Ensemble und interaktive Live-Elektronik als eine Art Versöhnungsmusik zwischen Ost und West, symbolisiert in der E-Violine und dem arabischen Ud, nach den schrecklichen Ereignissen des 11.September gedacht. Winklers Komposition, …, wirkt nirgends affirmativ oder gar plakativ, sondern überzeugt durch ihre komplexen und oft höchst komplizierten Strukturen: Eine Musik ausgespannt zwischen intellektueller Brillanz und Disziplin einerseits, zum anderen einer feinen Expressivität und klanglichen Sinnlichkeit. Man muss sich nur genau einhören, um das plastisch zu erfahren.
Gerhard Rohde, neue musikzeitung (Oktober 2003, S.33)

 Festival Eclat, Stuttgart 2004:

 Zum Abschluss erwies sich Gerhard E. Winklers Chor-Elektronik-Komposition „Flechten-Filamente“ als Hauptwerk.
Ein hochkomplexer räumlicher Chorklang, eine Art Summation von Einzeläußerungen, bildete ein vom Computer beeinflusstes Flechtwerk, das sich wie Spinnweben um das Publikum legte. Der Computer wird seinerseits durch das Brechen von Ästen konditioniert – ein Rückbezug auf Anarchie und Natur. Die Komposition aber, ein nachdrückliches Abbild des geschändeten Waldes, hätte wohl auch ohne solche Manipulation Bestand gehabt.
Reinhard Schulz, Süddeutsche Zeitung (10.02.2004)

 Größere Formate hörte und sah man im Schlusskonzert: …Gerhard E. Winklers Requiem boréal „Flechten-Filamente“ für 36 Solostimmen, Äste und interaktive Live-Elektronik: Eine klingende Reflexion über unser Verhältnis zur Natur, hochkompliziert gesetzt und strukturiert, im unmittelbaren Hören von großer Innenspannung und einer fast altmodischen Expressivität erfüllt.
Ein starkes Werk.
Gerhard Rohde, Frankfurter Allgemeine Zeitung (11.02.2004)

 Münchener Biennale für Neues Musiktheater 2002:

 „Heptameron“, so heisst das Stück des 1959 geborenen Österreichers Gerhard Winkler , geht in seiner Textquelle zwar auf die knapp fünfhundert Jahre alte gleichnamige Dichtung der Margarete von Navarra zurück, in seinen Ausdrucksmitteln beschreitet es aber radikal Neuland. Insofern nämlich, als die Parameter, die das Musiktheater ausmachen, in ganz und gar ungewöhnlicher Weise miteinander verbunden werden. […]
In Konsequenz und Komplexität der Anlage geht das weiter als alles, was im Musiktheater diesbezüglich versucht wurde. […]
… wird der Versuch, […] die Prinzipien des Musiktheaters über die Vertonung einer linear erzählten Geschichte hinaus weiterzudenken und die technischen Mittel unserer Zeit einzubeziehen, hier in äusserst anregender Weise gewagt.
„Heptameron“ steht für ein Theater, das gerade im Musikalischen ganz direkt aus dem Agieren menschlicher Körper entsteht; wer sich in seinen Wahrnehmungsformen darauf einliess, kam zu einem recht eigentlichen Elementarerlebnis.
Peter Hagmann, Neue Zürcher Zeitung (11./12.05.2002)

 Gerhard E. Winklers Stück „Heptameron“ […] war Spielfläche, war Baukasten. […]
Hieraus entstand eine Melange aus äußerster Wachsamkeit und Vergnügen über das Überraschende. […] Wer Winklers bisherige musikalische Arbeiten kennt, konnte bemerken, wie subtil er sich den neuen theatralen Anforderungen zu stellen wusste. Die Musik bewies charakterliche Trennschärfe, bot viele ironische Unterhöhlungen, Ausbuchtungen, die Leichtigkeit erzeugten. […]
Worum ging es eigentlich ? Es ging um Liebe und Leid, um immerwährend uns Anrührendes. Die Zeit, es so zu sagen, ist hier die unsrige
Reinhard Schulz, Süddeutsche Zeitung (06.05.2002)

 Nur einmal, in „Heptameron“ von Gerhard E. Winkler […] fand in einem Kunstwerk der besonderen Art wirkliche Interaktion statt …
[…] bevor nach wenigen Minuten imemr mehr Unerhörtes und Erhellendes von der Bühne im Haus der Kunst zurückstrahlte.
Die sieben Szenen nach Erzählungen der Margarete von Navarra (1492 – 1549), die Grundkonstellationen menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns zwischen Begehren, Liebe, Hass und Gewalt, zwischen Ernst und bitterster Lächerlichkeit variieren, setzten sich wie in einem Puzzle erst allmählich und verschiedenen Stellen zu einem tönenden, virtuos in Szene gesetzten, kaleidoskopartig schillernden Hör-Bild zusammen. Das geschah jeden Abend neu und anders, denn nur die Spieldauer von etwa 70 Minuten ist fixiert. […] und jede Aufführung gebiert neue Lieblingsszenen, ja nach Dauer und Häufigkeit der Abschnitte.
Klaus Kalchschmid, Opernwelt (Juli 2002, S.42)

 […] Optisches und Akustisches bedingen einander, treiben sich wechselseitig hervor. Und das Ganze erweist sich als perfekte interaktive Vernetzung aller Elemente, wobei auch der alte Gegensatz von Determination und Zufall aufgehoben scheint. In der technizistischen Konsequenz war dies sicher die radikalste der Produktionen, Bravourleistung auch in der Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie: ein Reflex-Kaleidoskop auf allen nur erdenklichen Ebenen. […]
Gerhard R. Koch, Frankfurter Allgemeine (06.05.2002)

 Wenn Winkler in Variationen von sieben den einzelnen Geschichten/Szenen zugeordneten Klangbildern ein tumultuarisches Gewimmel aus gesampelten „Körperklängen“ (z.B. Rülpsen), diversen anderen Lautartikulationen und Sprach-Text-Fetzen, exaltierten Gesangsausbrüchen, synthetischen Elektro-Sounds und instrumentalen Klangschraffuren inszeniert, wirkt das oft beliebig, andererseits unangenehm manieriert und auf Dauer nur ermüdend. „Schwerer Fall von Sinnmurks, gedanken- und klangwirr wie eine Festplatte nach einem bösen Virusbefall“, befand Die Zeit. Man könnte auch sagen: Es nervt …
Dirk Wieschollek, Neue Zeitschrift für Musik (1, 2005, S. 81; Besprechung der „Heptameron“- CD, erschienen bei col legno 20232)

 Festival „Hörgänge“, Wiener Konzerthaus 2001:

 Elektronische Eigenübermalungen versucht hingegen der Salzburger Gerhard E. Winkler […]. Konkrete Geräusche – aus einem Steinbruch oder vom Meeresstrand – sind bei Winkler die Ausgangsbasis elektronischer Zuspielungen, die durch einen imaginären Dialog zwischen den Solisten und dem Computer mit den elektronische transformierten Klängen der Instrumente zunehmend überschreiben werden … Ein faszinierendes interaktives Environment als Höhepunkt eines spannenden Festivals.
Reinhard Kager, Neue Zeitschrift für Musik (Mai 2001, S.63)

 Salzburger Festspiele 1993:

 This year´s Salzburg Festival has once again demonstrated ist commitment to contemporary music. […]  It was in this context – perhaps, expecially, the context of Nono´s numerous works involving electronics – that the Festival presented a new commissioned work by the 35-year-old, Salzburg-born Gerhard Winkler. His new 21-minute score, entitled emergent.
The performance took place in a Baroque church (the Kollegienkirche) and the characteristically circular movement of the sound seemed to fit beautifully into the large cupola. […] The sound builds up, only to drift away in shapeless clusters. Then the cycle is repeated, to collapse again into virtual silence. The music is continually in motion, spiralling around and above the audience. […] the balance of the various soundworlds was perfectly judged.
(Winkler) was rewarded by an excellent performance of what proved a very stimulating work, which completed a most memorable concert.
George Newman, Tempo (December 1993)

 Die Partitur von „emergent“, der die eingangs zitierten Zeilen von Novalis als Motto voranstehen, wurde von einem Computer auf der Basis einer Differentialgleichung errechnet. … zeigt sich im Übergang von den Einzel- und Gruppenproben zu einem Gesamtdurchlauf, wie das scheinbar so maschinell kalkulierte Detail von der künstlerischen Phantasie des Komponisten verwandelt wird in einen lebendigen Organismus, in ein aufregendes Werden und Vergehen, in ein Sich-Vermischen und Wieder-Trennen von immer wieder neuen Klängen und, ja, einer neuen Stille, die ebenso erhört werden will.
[…] Das Ergebnis ist ein Ereignis: einundzwanzig spannende Minuten musikalischer Grunderfahrungen; einundzwanzig lebendige Minuten für ein sich öffnendes, ein hörbereites Subjekt; einundzwanzig bescheidene Minuten der Konzentration auf das Um-einen-Herum, möglicherweise sogar einer Transzendenz über das Ästhetische hinaus.
Heinz Josef Herbort, Die Zeit (August 1993)

 München, Musica Viva, Juni 2010:

 Es ist das Verdienst der musica viva, Komponisten mit dem BR-Symphonieorchester alle Möglichkeiten eines großen Orchesterapparates zur Verfügung zu stellen. […] Viel klarer und energetischer geriet die Motivarbeit in Gerhard E. Winklers „Poren“, basierend auf  Computersimulationen von Planetenbewegungen. Und das, obwohl Winkler noch Live-Elektronik hinzufügt, aber beziehungsreich auf den feinsinnig ausgehörten, von Dirigent Johannes Kalitzke souverän koordinierten Orchestersatz abgestimmt.
Michael Stallknecht, Süddeutsche Zeitung (09.06. 2010)

 Bei Gerhard E. Winklers „Poren“ deutete bereits der Titel auf einen körperlich direkten Zugriff. Flächige, von Live-Elektronik unterstützte Passagen wechselten sich mit kleinteiligen Ausbrüchen ab. Die einzelnen Zutaten seltsamer Mischklänge waren oft kaum herauszuschmecken. Hinter dem Stück steckt eine Menge Theorie, in der Praxis war das klangsinnliche Stück avanciertem Pop und Jazz näher als es bei der musica viva sonst üblich ist.
Robert Braunmüller, Abendzeitung München (07.06.2010)

 

 

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